Endstation Auschwitz: Das Schauspielerpaar Otto Bernstein (1887–1943) und Jenny Schaffer-Bernstein (unbekannt –1943)

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„Ich habe aus Gesprächen oftmals die Überzeugung gewonnen, dass das Publikum im Allgemeinen sehr wenig von der Schwierigkeit unserer Arbeit weiß, die sich auf so verengertem Raum vollzieht, und sich in seiner Haltung zu dem ihm vorgelegten Saisonprogramm von Vergleichen und Maßstäben früherer Zeit leiten lässt.“ (Otto Bernstein, August 1937)
Otto Bernstein kommt 1887 in Berlin zur Welt. Er ist später mit Jenny Schaffer verheiratet. Die Eheleute sind Schauspieler und jüdischer Herkunft. Bernstein betätigt sich zeitweise auch als Theaterregisseur. Otto Bernstein arbeitet von 1907 bis 1909 am Berliner Schiller-Theater und 1910 am Stadttheater Hildesheim. Es folgt für ihn die längere Schauspieltournee „Kasernenlust“ im Jahre 1911. Etwa zu diesem Zeitpunkt erhält die Ehefrau ein Engagement am Deutschen Theater in Berlin.
Zwischen 1912 und 1914 wohnt das Künstlerpaar in Frankfurt am Main. Beide gehören dem Ensemble des Neuen Theaters an – oft stehen sie zusammen auf der Bühne. Gemeinsam wirken sie zum Beispiel in den Inszenierungen „Der zerbrochene Krug“, „Der lebende Leichnam“, „Die fünf Frankfurter“, „Die glücklichste Zeit“, „Magdalena“, „Die Weber“ und „Hinter Mauern“. Ab Dezember 1912 und im Mai 1913 treten die Eheleute auch in geschlossenen Aufführungen für den Verein Frankfurter Kammerspiele auf.
Ab der Spielzeit 1914 arbeitet Jenny Schaffer-Bernstein in Dresden, zunächst am Königlichen Hoftheater, dann ab 1920 am Schauspielhaus. Otto Bernstein muss an die Front und kämpft als Soldat im Ersten Weltkrieg. Etwa 1920/21 geht er kurzfristig an die Berliner Volksbühne. Schließlich folgt er seiner Ehefrau nach Sachsen und verpflichtet sich ab 1925 als Schauspieler am Neuen Theater in Dresden, 1927 an der Komödie und im Jahr darauf am Albert-Theater. Für die beiden letztgenannten Institutionen führt er auch Regie.
Otto Bernstein und Jenny Schaffer-Bernstein werden 1933 sofort entlassen. Sie ziehen von Dresden nach Berlin, wo beide verfolgungsbedingt nur noch Engagements im Theater des Jüdischen Kulturbundes erhalten. Otto Bernstein wirkt hauptsächlich als begehrter Rezitator, gelegentlich auch als Regisseur. Seine Ehefrau zählt dort zu den wichtigsten Schauspielerinnen. Bei der programmatischen Eröffnungsveranstaltung am 1. Oktober 1933 brilliert sie in Lessings „Nathan der Weise“. Der Kulturbund Berlin wird 1941 aufgelöst; die letzte Gehaltsliste vom 30. September nennt auch die Eheleute Bernstein; sie haben für den Monat jeweils noch 85 Reichsmark (netto) zu erwarten. Kurz darauf beginnen die Deportationen. Jenny Schaffer-Bernstein ist zuletzt als Zwangsarbeiterin an einer Wickelmaschine im Berliner Glühlampenkonzern „Osram“ registriert.
Otto Bernstein und Jenny Schaffer-Bernstein werden aus Berlin verschleppt und beide 1943 im Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Ihre genauen Todesdaten sind nicht bekannt.
Otto und Jenny Schaffer Bernstein sind auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur
  • Ulrich Liebe, verehrt verfolgt vergessen, Weinheim/Berlin 1997 (2. Auflage), S. 219, 244.
  • Thomas Siedhoff, Das Neue Theater in Frankfurt am Main 1911-1935. Versuch der systematischen Würdigung eines Theaterbetriebs (Studien zur Frankfurter Geschichte 19), Frankfurt am Main 1985 (s. Personenindex).

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Städtische Bühnen;  

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