Gefeierter Bariton Richard Breitenfeld (1869–1942) stirbt elend in Theresienstadt

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„Ich teile Ihnen mit, dass ich heute mit meiner Frau nach 30jähriger Tätigkeit an der Frankfurter Oper mit dem Judentransport (nach Theresienstadt?) wegkomme. Was geschieht mit meiner Pension?“
(Richard Breitenfeld, 29. August 1942)
Richard Breitenfeld wird am 13. Oktober 1869 im böhmischen Richenburg geboren. Anfang des Jahres 1905 heiratet er Olga Sgalitzer.
Richard Breitenfeld wirkt von 1902 bis 1926 als lyrischer und Heldenbariton an der Frankfurter Oper. Nebenberuflich arbeitet er als Musikpädagoge und Konzertsänger. Auch noch nach seiner Pensionierung schließt er regelmäßig Gastverträge ab. Sein 25- jähriges Bühnenjubiläum 1927 wird in der Lokalpresse umfassend gewürdigt.
Nach 1933 ändern sich auch für die Eheleute Breitenfeld die Lebensumstände drastisch. Der einstmals gefeierte Sänger und seine Ehefrau sind jüdischen Glaubens. Ab Februar 1942 wird die Pension gekürzt. Das Paar wechselt vermutlich verfolgungsbedingt häufiger die Wohnung: 1938 ist es in der Eschersheimer Landstraße 79, zuletzt als Untermieter bei Wolff in der Hansaallee 7, dritter Stock, gemeldet. Von dort werden der 72-jährige Richard Breitenfeld und seine Ehefrau am 1. September 1942 bei der achten großen Deportation aus Frankfurt in das Durchgangs und Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. In der Deportationsliste findet sich hinter dem Namen das Kürzel „o. B.“ – ohne Beruf. Der beliebte Frankfurter Opernstar stirbt nur drei Monate später am 16. Dezember 1942 elend im Lager. Auch Olga Breitenfeld kommt in Theresienstadt zu Tode.
Richard Breitenfeld ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur und Quellen
  • Paul Arnsberg, Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Darmstadt 1983, Bd. 3 Biographisches Lexikon, S. 61.
  • Heike Drummer/Jutta Zwilling (Bearb.)/Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), Datenbank Gedenkstätte Neuer Börneplatz.
  • Judith Freise/Joachim Martini, Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1942, Frankfurt am Main 1990, S. 11 (Anhang).
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.), Zwischen Ausgrenzung und Vernichtung. Jüdische Musikerinnen und Musiker in Leipzig und Frankfurt a. M. 1933-1945. Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Leipzig 1996, S. 60.
  • Artur Holde, Hundert Jahre jüdisches Frankfurt, o. O. 1960, S. 16.
  • Institut für Stadtgeschichte S 2/959; Personalakten 3687, 9738-9739.
  • Wolfgang Klötzer (Hg.), Frankfurter Biographie, Frankfurt am Main 1994, Bd. 1, S. 100.
  • Bettina Schültke, Theater oder Propaganda? Die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main 1933-1945. Frankfurt am Main 1997, S. 81, 101-103, 105.
  • Joseph Walk, Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945, München u. a. 1988, S. 45.

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