Emil Carlebach, Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und der KPD Hessens 1945

Druck

Emil Carlebach wurde am 10. Juli 1914 in Frankfurt am Main als Sohn des Kaufmanns Moritz Carlebach (1879-1939) geboren. Die Carlebachs entstammten einer alten und angesehenen Rabbinerfamilie aus Lübeck, die auf Salomon Carlebach (1845-1919) zurückging. Emil Carlebach war der Enkel des älteren Bruders von Salomon, Nathan Carlebach (1844-1912).
Der Frankfurter Zweig der war vorwiegend kaufmännisch tätig, sozial wie politisch eher konservativ eingestellt. Emil Carlebach sollte mit diesen Traditionen brechen. Noch als Schüler schloss sich der politisch früh interessierte Carlebach dem Sozialistischen Schülerbund (SSB) an und traf dort seinen späteren langjährigen Freund und politischen Mitstreiter Wolfgang Abendroth. Dem Eintritt in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) 1931 und aktiver politischer Arbeit im Dienst der sozialistischen und kommunistischen Ideologie folgte der Eintritt in die Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Ab Anfang 1933 geriet Carlebach als Jude und Kommunist ins Visier der neuen NS-Machthaber: Im Mai 1933 wurde er aufgrund fortgesetzter politischer Tätigkeit für die KPD inhaftiert. Am 11. Januar1934 erneute Festnahme durch die Gestapo und Anklage wegen Verteilens antifaschistischer Gewerkschaftszeitungen. Drei Jahre saß Emil Carlebach wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ im Gefängnis. Nach der Strafverbüßung wurde er 1937 zunächst in das Konzentrationslager Dachau, 1938 nach Buchenwald verbracht. In Buchenwald gehörte Emil Carlebach zur illegalen KPD-Widerstandsgruppe.
Bei Kriegsende war er, bevor die amerikanischen Truppen am Lager eintrafen, an einer Befreiungsaktion von Lagerinsassen beteiligt. Im gleichen Jahr noch kehrte Carlebach nach Frankfurt am Main zurück, um dort am politischen und gesellschaftlichen Wiederaufbau und an der Gründung der KPD in Hessen mitzuwirken. Er gehörte zu den Lizenzträgern für die Herausgabe der „Frankfurter Rundschau“. Wegen zunehmender Opposition gegen die Besatzungsbehörden in Frankfurt, die sich in seinen Artikeln ausdrückte, verlor Carlebach die Lizenz bereits im August 1947 wieder.

Emil Carlebach bei der Einweihung der Radiosendeanlage am Heiligenstock um Juli 1947.


Neben der Beteiligung am Wiederaufbau der Frankfurter und der Hessen-KPD, ließ er sich ab der 1. Wahlperiode für die Partei auch politisch in die Pflicht nehmen und gehörte dem Hessischen Landtag seit den Wahlen am 1.12.1946 bis zum Ende der Legislaturperiode 1950 an. Zunächst nur Mitglied der KPD-Fraktion, avancierte er ab Juli 1949 zum Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und übte diese Funktion bis zum 30.11.1950 aus.
Daneben gehörte Carlebach zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN, heute VVN-BdA) in Frankfurt und in Hessen sowie auf gesamtdeutscher Ebene in den Jahren 1946/47. Die Gründung der VVN Hessen erfolgte am 25. Februar 1947 in Gießen. Carlebach setzte sich für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Unrechts ein und hielt als Zeitzeuge Vorträge. Die Erinnerung an diesen unheilvollen Abschnitt deutscher Geschichte sollte wachgehalten und die Nachwelt für dieses Thema sensibilisiert werden.
Carlebach war auch für verschiedene Publikationsorgane der KPD als Autor tätig, und arbeitete für den Rundfunk der DDR. Nach dem Verbot der KPD durch das Bundesverfassungsgericht 1956 übte Carlebach seine Parteiarbeit zunächst weiter in der Illegalität aus und siedelte schließlich in die DDR über. In der Bundesrepublik Deutschland wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen und bis 1969 aufrechterhalten. Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland im gleichen Jahr, arbeitete Carlebach für die inzwischen am 25. September 1968 in Frankfurt neu gegründete Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Anfang der 1970er Jahre übernahm er zudem Funktionen in der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora und war Vizepräsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Publizistisch war er weiterhin für die VVN und die Deutsche Journalisten-Union (dju, Mitglied des DGB) tätig.
Emil Carlebach starb am 9. April 2001 in Frankfurt am Main.



Literatur und Quellen
  • Jochen Lengemann, Das Hessen-Parlament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.-11. Wahlperiode), Frankfurt am Main 1986.
  • Ephraim Carlebach-Stiftung (Hg.), Die Carlebachs. Eine Rabbinerfamilie aus Deutschland, Hamburg 1995.
  • Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, S2 2.722; Sammlung Neuland, S 6b – 75, Sign. 297, Sign. 272,

  • Weitere Beiträge zu verwandten Themen
  • Markus Wedel  

    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2009, aktualisiert am: 12.08.2014