Tod in Kowno: Violinist Moritz Hainebach (1872–1941)

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Moritz Hainebach kommt am 10. August 1872 als Sohn des Lehrers Hermann Hainebach und von Emma Hainebach, geb. Adler, im US-amerikanischen Indianapolis zur Welt.
Moritz Hainebach arbeitet zunächst als Solist und Konzertmeister für die Staatsoper in Posen. 1908 nimmt er ein Engagement als Violinist an der Oper Frankfurt am Main an. Ein Jahr später heiratet er Camille Hoffmann. Die Eheleute haben einen Sohn. Neben seiner Orchestertätigkeit erteilt der talentierte Besitzer einer Stradivari-Geige Musikunterricht am Dr. Hochschen Konservatorium, am Philanthropin und als Privatlehrer. Viele Jahre leitet Moritz Hainebach außerdem das „Musik-Institut Frankfurt a. M.“, eine Filiale des renommierten „Rheinisch-Westfälischen Musikinstituts“, mit Räumen in der Königstraße 61 (heute: Gräfstraße), der Mainzer Landstraße 184 und in seiner Privatwohnung Weberstraße 21.
Nach 1933 werden Moritz Hainebach und die Mitglieder seiner Familie als Juden verfolgt. Die Einkünfte reduzieren sich, da christliche Schüler dem Musikunterricht fernbleiben. Um 1940 zieht das Ehepaar in den Bornwiesenweg 55, zuletzt wohnt es – vermutlich zwangsweise – in der Herderstraße 25.
Moritz und Camille Hainebach werden am 22. November 1941 bei der dritten großen Deportation aus Frankfurt verschleppt. Die Eheleute sind zu diesem Zeitpunkt 69 und 66 Jahre alt. Der Transport erreicht seinen ursprünglichen Bestimmungsort Riga nicht und wird wegen Überfüllung des dortigen Ghettos nach Kowno umgeleitet. Moritz und Camille Hainebach werden vermutlich bereits am 25. November 1941 ermordet. Von den nahezu Tausend Verschleppten dieser Deportation sind bislang keine Überlebenden bekannt.
Während dem Sohn noch rechtzeitig die Flucht in das US-amerikanische Exil gelingt, werden andere Familienangehörige, zum Beispiel ein Bruder, eine Schwägerin und eine Nichte von Moritz Hainebach, ebenfalls Opfer des Holocaust.
Moritz Hainebach ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur und Quellen
  • Datenbank Heike Drummer/Jutta Zwilling (Bearb.)/Jüdisches Museum Frankfurt am Main (Hg.), Datenbank Gedenkstätte Neuer Börneplatz.
  • Judith Freise/Joachim Martini, Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1942, Frankfurt am Main 1990, S. 29 (Anhang).
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.), Zwischen Ausgrenzung und Vernichtung. Jüdische Musikerinnen und Musiker in Leipzig und Frankfurt a. M. 1933-1945. Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Leipzig 1996, S. 60.
  • Institut für Stadtgeschichte Schulamt 1553, 6302.

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