Als Jüdin verfolgt: Die Schauspielerin Sophie König (1854–1943)

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„Wie ich festgestellt habe, befindet sich die Schauspielerin i[m] R[uhestand] Sofie König ... in einer jüdischen Unterkunft, Hermesweg 7. Die Geheime Staatspolizei teilt auf Anfrage mit, dass die Genannte abstammungsmäßig Jüdin ist. In meinen Akten war seither nichts darüber bekannt. Ich bitte um Neufestsetzung der Versorgungsbezüge.“ (Personalamt Frankfurt am Main, 27. Juli 1943)
Sophie König wird am 4. November 1854 oder am 20. November 1855 in Budapest geboren. Über ihre familiäre Herkunft und Ausbildung ist nichts bekannt.
Ab 1881 arbeitet sie auf Empfehlung des Frankfurter Verlegers Leopold Sonnemann als Sängerin für die hiesige Oper; dabei brilliert sie meist in Soubrettenrollen. In den 1890-er Jahren tritt Sophie König zunehmend im Schauspiel auf und wechselt 1894 komplett zum Sprechtheater. In seinem Gedicht „Betrachdung einer Gallerie-Stammgästin am Juweldag des Stadttheaters“ schildert der Mundartschriftsteller Adolf Stoltze die Künstlerin als „e lustige Kenigin“. 1931 kann „das Sopherl“ – so nennen die Frankfurter liebevoll ihren Star – fünfzigjähriges Bühnenjubiläum feiern. Zu diesem Zeitpunkt ist die lebensfrohe Frau bereits pensioniert, Ehrenmitglied des Frankfurter Schauspiels und des legendären Künstler-Stammtisches „Abgeschminkt“.
Nach 1933 kann Sophie König ihre jüdische Herkunft zunächst verbergen. Bis Anfang des Zweiten Weltkrieges lebt die alte Dame unbehelligt in Frankfurt, erst Unterlindau 76, später Unter den Platanen 11 in der Sachsenhäuser „Heimatsiedlung“. Die Frankfurter Behörden und die Geheime Staatspolizei registrieren erst 1943 ihre „nicht-arische“ Abstammung. Hochbetagt muss die Künstlerin in die „Gemeinschaftsunterkunft für Juden“, Hermesweg 5-7, umziehen; ihre Pension soll laut Personalamt zum 1. September 1943 nun um 37 Prozent gekürzt werden – ebenso wie jene ihrer als Juden verfolgten ehemaligen Kollegen.
Etwa zwei Wochen vor Inkrafttreten dieser Verfügung stirbt Sophie König am 19. August 1943 im Alter von 87 oder 88 Jahren unter haftähnlichen Bedingungen. Kurze Zeit später wird sie auf dem jüdischen Friedhof bestattet.
Sophie König ist auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen aufgeführt.


Literatur und Quellen
  • Artur Holde, Hundert Jahre jüdisches Frankfurt, o. O. 1960, S. 16.
  • Institut für Stadtgeschichte S 5/512 Bd. 2; Personalakten 3751, 10 062, Akten der Stadtverordnetenversammlung 1787.

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Städtische Bühnen;  

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