Politischer Rechtsextremismus nach 1945 (SRP/DRP u.a.)

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Der Rechtsextremismus spielte in der seit der Revolution von 1848/49 politisch liberalen Handels- und Bankenstadt Frankfurt eine zunächst geringe, ab Anfang der 1930er Jahre jedoch wachsende Rolle. Bereits vor 1933 stieg auch in Frankfurt die NSDAP allmählich zur beherrschenden politischen Partei auf. 1930 hatte die NSDAP in den Reichstagswahlen im Durchschnitt 18,3% erhalten, in Frankfurt sogar gute zwei Prozent mehr, 20,8%. Bei den folgenden Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 erhielten die Nationalsozialisten auch in Frankfurt mit 38,7% die Mehrheit der Stimmen. Die letzte halbfreie Wahl am 5. März 1933 lag mit 44,1% wieder knapp über dem Reichsdurchschnitt.
Ein ähnliches Bild zeigte sich ab 1929 bei den Kommunalwahlen. Von 9,9% der abgegebenen Stimmen in diesem Jahr ging der Anteil der NSDAP bis auf 47,9% bei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 hoch. Nach 1945 galt Frankfurt durch die Erfolge der SPD bei Stadt,- Landtags,- und Bundestagswahlen als sozialdemokratische Kommune.
In Hessen gab es bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert einen organisierten Antisemitismus. Zwischen 1880 und 1903 agitierte die Böckel-Bewegung vorwiegend in Oberhessen. Sie versuchte durch antisemitische und teils antikapitalistische Rhetorik auf die bestehenden Nöte der Landwirte dieser Region aufmerksam zu machen. Diese von Otto Böckel (1859-1923) gegründete Bewegung war aber nicht langfristig erfolgreich.
Auch in Hessen wurden nach 1945 rechtsextreme und der NSDAP ideologisch nahestehende Parteien gegründet, so z.B. die Nationaldemokratische Partei (NDP), die Deutsche Konservative Partei/Deutsche Reichspartei (DKP-DRP). Diese bemühten sich um die politisch heimatlos gewordenen NS-Sympathisanten und Mitglieder. Der eindeutig nationalsozialistische SRP (Sozialistische Reichspartei) ging es um die Unterwanderung und Zerstörung der sich etablierenden Nachkriegs-Demokratie. Wieder andere Parteien wie die Deutsche Partei (DP), die an der Trennlinie zwischen rechtskonservativ und rechtsextrem operierten, blieben auf Dauer Hessen und erst recht in Frankfurt politisch erfolglos. Vereinzelt fanden in der Stadt Versammlungen der DP mit dem Vorsitzenden der Partei, Albert Derichsweiler (1909-1997) statt. Derichsweiler war in der Zeit des Nationalsozialismus zunächst als Funktionär im NSDStB tätig, später bis 1945 Reichsredner der NSDAP und schließlich Mitglied der Waffen-SS. Bei diesen Zusammenkünften sprach auch der ehemalige NS-Oberbürgermeister Frankfurts, Friedrich Krebs, sowie andere ehemalige NSDAP-Funktionäre.
Bis in die 1950er Jahre wurde jedoch der Platz des Nationalkonservatismus und -liberalismus in Hessen von der LDP (später FDP) besetzt und verteidigt. Auch LDP und FDP bemühten sich vor allem in der Ära August Martin Eulers (1908-1966) um eine politische Integration ehemaliger NS-Mitglieder und Wehrmachtssoldaten und operierten selbst oft genug am Rande von Nationalkonservatismus und Rechtsextremismus. Parteiprogramme wie das „Deutsche Programm“ von 1952 gaben dafür beredtes Zeugnis.
Lediglich in ländlich und bäuerlich geprägten sowie überwiegend von Protestanten bewohnten Gegenden Nordhessens waren Parteien wie die DP und zuvor die NDP teilweise präsent. Damit zeigte der in Hessen Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre auftretende Rechtsextremismus die auch anderswo in der Bundesrepublik als Teil einer spezifischen „Nachkriegskultur“ gepflegte rechtsradikale Gesinnung.
Neben der SRP, die 1949 gegründet worden war und bereits 1952 vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde, und der DP sowie der NDP spielten andere rechtsextreme Parteigründungen und -aktivitäten in Hessen und vor allem in seinen Großstädten eine kaum wahrnehmbare Rolle. Die Hochburgen von SRP und DP lagen im Norden des Landes, ansonsten vermochte sie vor allem in Niedersachsen größere Erfolge bei Kommunal- und Landtagswahlen zu erzielen. Wahlerfolge der SRP blieben in Hessen aus, sieht man von einzelnen Untergrundaktivitäten ab.

Revanchistische Forderungen der DRP zur Kommunalwahl am 23. Oktober 1960, an der sie letztmalig teilnahm. Ihr Stimmenanteil schwankte immer um die 1 %.


Gleiches gilt für die Deutsche Reichspartei (DRP). Sie wurde 1950 in Kassel gegründet und ging aus einem Zusammenschluss von NDP und der Deutschen Rechtspartei (DReP) hervor. Die Vorsitzenden des Hessischen Landesverbandes waren von 1953-1955 Rolf Büsser und 1955/56 Harald Wäninger. Die Hochburgen der DRP, die die Glorifizierung des Nationalsozialismus sowie die Errichtung eines autoritären Führerstaates auf die Fahnen geschrieben hatte, lagen ebenso im Norden Deutschlands. In Frankfurt sowie in ganz Hessen spielte die DRP aufgrund äusserst schwach ausgeprägter Organisation und kaum vorhandener Mitglieder so gut wie keine Rolle. Nach einer vorübergehenden Auflösung Ende 1950 konnte die Partei erst nach dem Verbot der SRP besser Fuß fassen, blieb jedoch in Hessen weit hinter den Erwartungen und Ergebnissen im Vergleich zu anderen Landesverbänden zurück. Selbst in den Teilen Hessens, die traditionell stärker antisemitisch und antidemokratisch ausgerichtet waren, wie z.B. Mittel- und Oberhessen, war es der DRP nicht möglich Fuß zu fassen, da vor allem DP und FDP in diesen Gegenden erfolgreich waren. Aus organisatorischen und finanziellen Gründen war es der DRP nicht möglich, sich an der Landtagswahl 1954 zu beteiligen. Sie blieb auch bei der Landtagswahl 1958 mit 0,6% Stimmanteil hinter ihren Erwartungen zurück.



Literatur
  • Henning Hansen, Die Sozialistische Reichspartei (SRP): Aufstieg und Scheitern einer rechtsextremen Partei, Düsseldorf 2007.
  • Peter Dudek / Hans-Gerd Jaschke, Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, 2 Bde., Opladen 1984.
  • Oliver Sowinski, Die Deutsche Reichspartei 1950 – 1965. Organisation und Ideologie einer rechtsradikalen Partei, Frankfurt am Main 1998.
  • Hermann Meyn, Die Deutsche Partei. Entwicklung und Problematik einer national konservativen Rechtspartei nach 1945, Düsseldorf 1965.

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