Feldpostbrief Nr. 16 der Helmholtzschule vom 25. Juni 1943

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Helmholtzschule Ffm.
Frankfurt/Main 25,Juni 1943
Schulbrief Nr. 16

Lieber Helmholtzschüler!
Kurz vor Beginn der Sommerferien, die zugleich das Schuljahr beschließen, gedenken wir unserer Helmholtz-Soldaten mit herzlichen Grüßen aus der Heimat. Zum ersten Male geht der Brief an die vor einigen Wochen zum Arbeitsdienst eingezogenen Schüler der Kl. 7. So verjüngt sich die Schar der Kämpfenden aufs neue, und auch von den Flakhelfern werden die älteren bald unter den Waffen stehen. Seit Abgang des letzten Briefes besuchten uns eine größere Zahl Urlauber und wir freuen uns immer, wenn sie der Weg zur alten Schule führt. Auch die, welche sich selten oder noch gar nicht sehen ließen, werden gern erwartet, damit wir einige Worte tauschen und uns vom Befinden überzeugen können. Brief und Besuche sollen das Band zwischen Ihrer Schule und deren Schülern nicht reißen lassen, und wenn wir dann nach siegreichem Ende ein Wiedersehen in der Heimat feiern, soll keiner dem anderen völlig fremd gegenüberstehen, sondern alle möchte die frühere Bildungsstätte als eine große Gemeinde umfassen. Fast vier Monate vergingen seit Abgang des vorigen Briefes. Aus den zahlreichen Antworten konnten wir uns ein Bild vom Erleben und Befinden des einzelnen machen. Wir danken allen Schreibern herzlich und teilen unseren Schülern stichwortartig Wichtiges mit, viele Namen werden von alten Freunden gelesen, und Jugenderinnerungen wecken das Bild der Genannten. So sammelt der Schulbrief seine Getreuen, indem er Heimat und Front verbindet.
Befördert wurden: zum Gefr. H.Jansen, E.Kern, W.Henrich, G.Pürwitz J.Markloff, A.Gruppe R.Haubes , K.Krömmelbein, W. Keil, H.Wagner, O.Golisch, H.Schütz, G. Rosenstock, K. Umbehr; zu Obergefr.: K.Krömmelbein, E.Mothes, J.Rümens, E.Beha, G.Rauch, F.Korff, K.Trumpfheller, R.Dietrich, H.Cornel, W.Oesterlein, zu Uffz.: E.Emmermann, W.Minke, H.Artzfeld, J.Netterkofen, E.Germann, H.Schön, zu Ober-Feld.: Wachtm. H.Ochs, A.Kloos, F.Neuwirth, zu Unterstff.: W.Illich, W.Maass, Fähnr.ing. W.Meyer; Kriegsverw.Insp. A.Beller; Oberarzt: A.Stenger; O-Apoth.: K.H. Alzen; Leutn. Wallbott, H. Scholling, R.Klose, F.Lepine, L.Bickelhaupt, H.Stiefel, H.Bingel, E.Röhre, S.Röse, H:Höhl, R.Hornecker, G.Baumann; zu Oberlt.: K.E. Schneider, W.Ruthenbeck; zu Hauptm. W.Walzer. Ausgezeichnet wurden mit EK 1: Lt. Groben, H.Ochs. EK II: R.Becker, R.Dietrich, H.Spahn, Lada, F.Richter, G.Dietz, Frontflg.-Sp.F.Richter, R.Groben. Inf.St.Abz.:E.Beha. Das Deutsche Kreuz in Gold erhielt Lt. Helmut Kretzer der auch schwer verwundet wurde. Allen Beförderten und Ausgezeichneten unsere herzlichsten Glückwünsche und freudige Anteilnahme.
Als verwundet oder krank gemeldet sind: R.Becker, E.Mothes, H.Baumeister, H.Bär, H.Spahn, W.Puff, G.Dietz, H.Jost, W.Walzer, H.Becher, A.Berger, E.Löffler, R.Köhler , H.Heil, K.Limbart, E.Kaiser, H.Dellith, H.Höhl, W.Kares, R.Koch, H.Cornell, H.Ebeling, O.Ebeling, A.Günther, G.Allmacher, F.Bende, H.Kretzer, O.Weisenstein. Wir hoffen, daß die meisten wieder hergestellt sind, gratulieren zur Genesung und wünschen den noch Leidenden recht gute Besserung.
Seit Abgang des vorigen Briefes ist uns der Heldentod folgender Schüler bekannt geworden: Soweit möglich geben wir die Grabstätten an: Schütze Hermann Messner, Friedhof Wetzlar; Bordf. Georg Haase, Hauptfriedhof Frankfurt; Obergefr. Willi Hess, Uischnie-Tschirskaja bei Stalingrad; Oberfeldw. Werner Kramm, Nordafrika; Lt. Hans Steege, am Donez; Lt. Karl Sterlepper, Nordafrika; Lt. Karl Mathis, Norworosisk; Gefr. Otto Krauser; Untffz. Kurt Böttcher, Skerino westl. Rschew; Sold. Walter Debus, Heldenfriedhof Krimskaja, Block VI Reihe 5; Sold. Walter Lemke, Oberrad ; Sold. Kurt Erb, Demjansk; Fahnenjunker Bodo Weichlein; Gefr.Albrecht Buss. Die Schule trauert mit den Angehörigen dieser Helden und wird sie in treuem Gedächtnis bewahren. Inzwischen können wir über einige im letzten Brief als Gefallene gemeldeten die Grabstätten mitteilen : Gefr. Wilh. Jochim, Heldenfr,Ostrogotsk, Grabreihe 7; SS Rottf. Ludwig Dörr, Starja Ruska; Obergefr. Hugo Walther Bourmesowo westl. Rschew; Gefr. Wille,Pogodsky Papnio s.w. Rschew; Schütze Günther Gauss, Oberrad, Gefr. Karl Gleitz, Oberrad; Sold. Heinrich Frank an Straße Surach-Witebsk: Lt. Wilh.Funk, 1,5 km südl. Zemena; Gefr. Robert Wohlgemuth. 3 km n.ö. Rochkowsky vor Stalingrad; Feldw, Erich Blum, Rostowo auf dem Markt.-Als Vermisste sind gemeldet worden: Gefr. Ludwig Moeller bei Millerowo; Gefr. Joseph Zenner, Werner Schwab, Hans Detsch, Lt. Richard Singelmann, Sold. Detlef Pereira, Egon Beckert, diese 6 vor Stalingrad; Erich Lehmann, Karl Tross, Calamimus , Wolfgang Wischert. Möchten die Angehörigen bald eine beruhigende Nachricht über das Schicksal ihrer Söhne erhalten. Aus der Gefangenschaft auf Jamaika meldet sich Dr. K. Münchheimer. Einige Schüler sind zu Studienzwecken beurlaubt gewesen. Minder ist wegen Krankheit entlassen. Von einem tapferen Handstreich unseres Lt. G.Trost in Nordafrika unterrichtete uns ein Zeitungsbericht, den wir mit Interesse lasen. G. Dillhöfer danken wir für die freundliche Übersendung von Briefumschlägen für die Feldpost. Desgl. H.Bechtel für übersandte Mineralien aus dem Salzkammergut und H.J. Meyer für Ueberlassung seiner Gesteinssammlung an die Schule. Er. Enders sandte Photos vom Grabe H.G.Stahl, die wir den Eltern übermittelten. Nun möchten wir unseren Leserkreis noch einige freudige und glückliche Nachrichten senden. Als Verlobte meldeten sich, B.Schlicher, E.Germann, F.Detsch, H.Rauh, B. Adam, P.O.Funk, H.Hofer, K.Umbehr, H.Wüst; als Kriegegetraute: H.Jost, H.J.Meyer, K,Limbart, H.Rüffer, F, Berk. Ein Kriegsjunge kam an bei H.Beckert
und H. Löwenstein; ein Kriegsmädel. bei R.Senger und A.Knoll. Wir freuen uns mit den glücklichen Familien und gratulieren herzlich.
Von einigen Schülern wurde der Wunsch laut, frühere Briefe zugestellt zu bekommen. Leider ist das nicht möglich, da diese vergriffen sind. Da in letzter Zeit auch ältere Jahrgänge einberufen sind, ergeht an alle die Bitte, uns deren Anschrift mitzuteilen. Wir sind für jede neue Anschrift dankbar und möchten den Leserkreis immer mehr vervollständigen. Von manchen Helmhöltzern hörten wir lange nichts und hoffen, daß auch sie gelegentlich ein Lebenszeichen senden.
Von der Schule: Vom 12. Juli bis 12. August haben wir Sommerferien, die aber für die Lehrer und älteren Schüler teilweise durch Kriegseinsatz belegt sind, das fordert der totale Krieg von der Heimat. Der Rest der 8. Klasse ist nach Ostern zum RAD eingezogen, und im Mai folgten die älteren Schüler aus Kl. 7, Kl. 6 und eine Anzahl aus Kl. 7 ist ala Flakhelfer eingezogen. Diese erhalten in ihren Stellungen wöchentlichen 18 Std. Unterricht. Herr Seib war kürzlich auf Urlaub, ebenso Herr Fuchs. Die übrigen Lehrer haben wir längere Zeit nicht begrüßen können; aber sie befinden sich wohlauf

Wir danken allen lieben Schülern für ihre Post, den Besuch in der Schule und die Grüße aus dem Felde. Oft wurden auch Grüße an die ehemaligen Klassenkameraden uns aufgetragen. Leider haben wir nicht Raum, die Zeichen der Verbundenheit allen draußen weiterzuleiten. Möchte dieser Brief alle Leser gesund erreichen und ihnen allen unsere herzlichsten Grüße von den Schülern, den Lehrern und treuen Gedenken aus der schönen Heimat übermitteln.

Heil Hitler
Im Namen der Schule
Dr. Zeiger
Oberstudiendirektor

Liebe Leser !
Ich wiederhole meine Bitte, mich durch Mitteilung von neuen Adressen zu unterstützen und Änderungen baldigst mitzuteilen. Eine große Zahl von Briefen musste diesmal über das Elternhaus gesandt worden, weil die Kartei überholt ist. Erwünscht ist auch immer Angabe der Heimatanschrift. Folgende Adressen sind versackt, ich bitte um Unterstützung: H.Bensing, H.Eichenauer, Egon Klug, Kanthal, Kurt Vogt, Karl Becker, Heinrich Rötzel, Bernhard Blank, Gustav Daab. Es würde mir auch schon durch die Heimatadresse gedient sein. Besten Dank im voraus!
Heil Hitler!

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