Die Neuerrichtung des Friedrich-Ebert-Denkmals 1950

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Das heutige Denkmal an der Ostseite der Paulskirche stellt die Neufassung des Friedrich-Ebert-Denkmals von Richard Scheibe dar, das Oberbürgermeister Ludwig Landmann am 11. August 1926 feierlich eingeweiht hatte. Die Nationalsozialisten entfernten es am 12. April 1933 wegen seiner Widmung an das erste republikanische Staatsoberhaupt.

Die Figur des ursprünglichen Friedrich-Ebert-Denkmals (1926), Historisches Museum X 93:006, Fotografie 2003

Die Figur des Friedrich-Ebert-Denkmals (1926) von Richard Scheibe im Innenhof des Historischen Museums, Fotografie 2003


Das Friedrich-Ebert-Denkmal überdauerte den 2. Weltkrieg im Völkerkundemuseum und im Liebighaus. Anschließend wurde es im Garten des Städelschen Kunstinstituts ausgestellt. 1989 gelangte die Figur ins Historische Museum, in dessen Innenhof sie heute unter dem Titel „Männlicher stehender Akt“ steht. An die ursprüngliche Funktion der Figur erinnert lediglich das Objektschild, nicht jedoch die verschiedenen Standorte bzw. die Zugänglichkeit im Rahmen von Öffnungszeiten.
Nach dem Krieg wollten weder die Stadt Frankfurt noch der Künstler das Denkmal wieder aufstellen. In der Bürgerratssitzung vom 14. März 1946 hatte Ernst Beutler angeregt, das Friedrich-Ebert-Denkmal wieder aufzubauen. Die Neuaufstellung des Denkmals war Richard Scheibe jedoch nicht recht.
Schon 1936 hatte der Künstler einer Beseitigung der Figur zugestimmt: Als die seinerzeit ausführende Frankfurter Kunstgießerei Andreas Komo bei Friedrich Krebs beantragte, die Figur zur Materialgewinnung einzuschmelzen, konnte sie eine Einwilligung Richard Scheibes beifügen.
Nach dem Krieg formulierte der Künstler deutlich seinen Wunsch nach einer Neufassung. Dem Leiter der Städtischen Galerie, Alfred Wolters, der Scheibe um seine Meinung zur Wiedererrichtung des Denkmals gebeten hatte, antwortete er: „Gegen die Aufstellung des Ebert-Denkmals in der alten Form ist natürlich nichts zu machen. Ich glaube, die Figur war in der Anlage nicht verfehlt, sie war nur vor allem gar nicht fertig, als sie gegossen wurde. (...) Wenn es mir vergönnt sein sollte, die Figur noch einmal in Gips aufzubauen, so würde ich mich verpflichten, sie fast ganz in der alten Bewegung in 7 Wochen in besserer Durchführung ohne Honorar noch einmal zu machen.“

Die Neufassung des Friedrich-Ebert-Denkmals (1948/49) von Richard Scheibe, Fotografie 2003


Die Auftraggeber geben sich mit dem Wunsch Scheibes zufrieden und erwägen sogar kurzzeitig ein Einschmelzen der alten Figur zur Materialgewinnung für die neue. Am 9. Januar 1947 bewilligt der Magistrat ein so genanntes Anerkennungshonorar von 5.000 Mark. Zudem knüpft die Stadt an die geplante Arbeit des Künstlers eine erneute Lehrtätigkeit an der Städelschule. Richard Scheibe hatte von 1925 bis 1935 an der Frankfurter Kunstschule gelehrt - unterbrochen von Entlassung und baldiger Wiedereinstellung durch die Nationalsozialisten. Die Neuberufung lehnt Scheibe jedoch Monate später, am 4. Februar 1948, ab, da er in seinem Alter keine Änderung seines Lebensmittelpunktes mehr vornehmen will.


Gipsmodell (1948) der Neufassung des Friedrich-Ebert-Denkmals, zeitgenössische Fotografie


Zum Denkmal äußert er erneut: „Was die Ebertdenkmalsfigur anbelangt, so wird es sich nicht um eine Überarbeitung der durchaus erhaltenen älteren Bronzefigur handeln, sondern um die Schaffung einer neuen Form.“ Diese Neufassung wird schließlich am 25. Todestag Friedrich Eberts am 28. Februar 1950 von Oberbürgermeister Walter Kolb und Ministerpräsident Christian Stock feierlich eingeweiht.

Richard Scheibes kritisches Verhältnis zu seinem Friedrich-Ebert-Denkmal ist bislang nicht wissenschaftlich untersucht worden. Vielleicht hielt er nach dem Krieg die grundsätzliche Akzeptanz der Figur durch die Nationalsozialisten, welche die Figur bewusst erhalten hatten, für schädlich. Eventuell wünschte er lediglich die Beendigung der wechselvollen Geschichte des Denkmals. Ein anderer Grund könnte sein, dass er - ähnlich seiner künstlerischen Entwicklung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges - eine modifizierte Formensprache anwenden wollte: Die Gestaltung der neuen Figur unterscheidet sich deutlich von dem Vorbild, indem sie stärker an den Idealen der Klassik orientiert ist.

Literatur
  • Ursula Grzechca-Mohr: Richard Scheibes erstes Denkmal für Friedrich Ebert. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 69 (2003), S. 215–226

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Städtische Galerie;   Paulsplatz;  

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