Die Familie Anne Franks: von der Ganghoferstraße in die Emigration

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Das Haus Ganghoferstraße 24, Fotografie um 1933

Als Edith Frank und Otto Frank im März 1931 in die Ganghoferstraße 24 einziehen, hat sich die wirtschaftliche Situation der Familie verschlechtert. Die Schwester Otto Franks, Helene, ist 1930 in die Schweiz ausgewandert, wo sich für ihren Mann, Erich Elias, neue berufliche Chancen eröffnet hatten. Der Bruder Herbert ist 1932 nach Paris verzogen. Das vom Vater gegründete Bankgeschäft, in das Otto Frank, der nie Bankier werden wollte, 1932 auf Drängen der Familie eintrat, ist seit drei Jahren von der Gewerbesteuer und dem Beitrag zur Industrie- und Handelskammer befreit. Ende Dezember 1932 kündigt Otto Frank das Mietverhältnis in der Ganghoferstraße fristgerecht zum 31. März 1933 „infolge der veränderten wirtschaftlichen Lage“ wie es in dem erhalten gebliebenen Kündigungsschreiben heißt. Die Familie zieht in eine Wohnung des von den Eltern Otto Franks erbauten Hauses in der Nähe des Beethovenplatzes im Westend, in dem die Mutter lebt und in dem Otto Frank aufgewachsen ist. Otto Frank hat gelegentlich in Hitlers „Mein Kampf“ gelesen und nach dessen Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bestürzt ihn die Meinung guter Bekannter, man solle doch erst einmal abwarten.

Anne Frank und ihre Mutter im Hof Ganghoferstraße 24, Fotografie 1932


Zur wirtschaftlichen Krise tritt die nationalsozialistische Machtergreifung und damit schwinden die Hoffnungen auf eine Zukunft in Frankfurt. Das Gerede von der „deutschen“ Schule lässt Repressalien für die Tochter Margot erwarten, die 1932 eingeschult worden ist. Anne ist alt genug für den Kindergarten.

Durch Vermittlung des Schwagers Erich Elias erhält Otto Frank das Angebot einer Auslandsvertretung für eine deutsche Firma in Amsterdam. Im Sommer 1933 reist Otto Frank in die Niederlande. Edith Frank und die Kinder Margot und Anne ziehen zu den Eltern Ediths in Aachen bis der Ehemann und Vater alles Notwendige für den Umzug gerichtet hat.

Edith, Margot (rechts) und Anne Frank (links) an der Frankfurter Hauptwache am 10. März 1933, zeitgenössische Fotografie

Als Otto Frank am 10. März 1933 seine Familie an der Hauptwache fotografiert, ist noch nicht sicher, dass dies das letzte Frankfurter Foto sein wird. Edith, Anne und Margot Frank stehen dort, wo der Pächter des Cafés im Frühjahr Tische und Stühle aufstellt. Dafür ist es noch zu kalt. Die Familie kauft im Warenhaus Tietz ein, auch ein Cafébesuch gehört zum „Stadtbummel“. In Frankfurt wird das 3. Reich am 13. März beginnen. Die Auswanderung nach Amsterdam ist noch frei von Repressalien. Auch die Bibliothek kann mitgenommen werden.

Die Mutter Alice zieht zur Tochter nach Basel. Robert, der ältere Bruder Otto Franks, Inhaber der renommierten Kunst- und Antiquitätenhandlung Louis Ricard Nachfolger, emigriert mit seiner Frau nach London. Damit endet eine über zweihundert Jahre andauernde Frankfurter Familiengeschichte. Otto Franks Vorfahren mütterlicherseits sind Anfang des 17. Jahrhunderts im jüdischen Ghetto belegt.

Als 1942 in den Niederlanden die Deportationen beginnen, können sich die Franks mit Hilfe von Freunden und Bekannten verstecken. 1944 wird das Versteck im Hinterhaus, wo Anne Frank ihr Tagebuch schreibt, entdeckt. Die Familie wird nach Auschwitz deportiert. Nur Otto Frank überlebt das 3. Reich.

Die Gedenkplakette am Haus Ganghoferstraße 24, Fotografie 1960



Literatur

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Wohnung der Familie Anne Franks 1931-1933;   An der Hauptwache;  

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