Luftalarme im Riederwald 1944

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Richard Tesch, der mit seiner Ehefrau Johanna im Riederwald wohnte, hat in seinem Notizbuch für das Jahr 1944 jeden Luftalarm und seine Dauer eingetragen. Insgesamt wurde 523 Mal Luftalarm ausgelöst. Im Dezember 1944 heulten fast jeden Tag 3 Mal die Sirenen, im April 62 Mal, im September 69 Mal, im Oktober 73 Mal. Der Juni 1944 mit nur 6 Luftalarmen war der einzige Monat, in dem nicht fast täglich oder mehrmals täglich die Sirenen heulten.
Im Vergleich zum Jahr 1941 verzwölffachte sich die Zahl der ausgelösten Alarme, während die Zahl der Frankfurt am Main treffenden Luftangriffe sich „nur“ von 13 auf 24 erhöhte.

Seiten aus dem Notizbuch Richard Teschs für das Jahr 1944, 14. bis 20. Mai

Seiten aus dem Notizbuch Richard Teschs für das Jahr 1944, 24. bis 30. September


Hatte Johanna Tesch 1941 noch notiert, ob sie und Richard im Bett blieben, in der Küche oder in der Stube den Verlauf des Angriffs abwarteten oder in den Keller gingen, so gehen Johanna und Richard Tesch 1944 bei Vollalarm in den Bunker. „Aus dem Bett in den Bunker“ lautet die Standardeintrag. Der erste Großangriff auf die Stadt am 4. Oktober 1943 hatte gezeigt, dass die Keller moderner Siedlungshäuser nicht genügend Schutz boten. Die Belastung des Alltags durch die Zahl der Luftalarme verdeutlichen Notizen wie „Am Tage kein Alarm“, „Nachts kein Alarm“ oder selten genug: „Kein Alarm“. Im Vergleich zum Notizbuch Johanna Teschs für das Jahr 1941, das zahlreiche Spaziergänge, Besuche bei Bekannten und Gänge in die Innenstadt notiert, beherrscht 1944 der Luftkrieg den Alltag. Die Notizen von Gartenarbeit und Beschäftigungen in der Wohnung füllen den Raum zwischen den Luftalarmen.
Beim Angriff vom 18. März 1944 wird nach dem 22. Oktober 1943 zum zweiten Mal die Siedlung Riederwald bombardiert und die Wohnung von Johanna und Richard Tesch getroffen. Noch in der Nacht räumen die beiden, sie fast 69, er 74 Jahre alt, unterstützt von zwei Bekannten, den gröbsten Schutt beiseite. Licht und Wasserversorgung sind unterbrochen. Am nächsten Tag vernagelt Richard Fenster und Türen. Ein am 24. März 1944 obdachlos gewordenes Ehepaar zieht bei ihnen für mehrere Monate ein.

Zusätzliche Stichwörter
Ereignisse:  Tod von Johanna Tesch im KZ Ravensbrück;  

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