Der erste Großangriff auf Frankfurt am Main vom 4. Oktober 1943

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Nachtangriff auf Frankfurt am Main 1943, zeitgenössische Fotografie

Am Abend des 4. Oktober 1943 griff ein Verband von 400 bis 500 Bombern die Stadt an. Der größte Luftverband, der Frankfurt bis zu diesem Tag angegriffen hatte, hatte etwa 60 Bomber umfaßt. Um 21 Uhr heulten die Sirenen. Der Angriff dauerte zwei Stunden, die Bomber warfen etwa 4.000 Sprengbomben und etwa 25.000 Brandbomben ab.
Bomben verwüsteten das Innere des Römers, die Häuser am Liebfrauenberg, Teile der Liebfrauenkirche, die Töngesgasse und die Kleinmarkthalle, die Schnurgasse und ihre Seitengassen zwischen Neue Kräme und Domstraße. Ein Bombenteppich ging über den Kornmarkt und Teile Sachsenhauses nieder. Bomben schlugen in der Leipziger Straße, am Kettenhofweg und am Städtischen Krankenhaus ein. Am schwersten betroffen sind das Ostend mit dem Zoologischen Garten, das östliche Sachsenhausen und Oberrad. 529 Tote werden gezählt. Im Luftschutzkeller des Kinderkrankenhauses in der Gagernstraße sterben 90 Kinder, 16 Schwestern und Hausangestellte und eine Ärztin.

Löscharbeiten in der Töngesgasse nach dem Angriff vom 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie

Geretteter Hausrat auf dem Liebfrauenberg gegenüber dem zerstörten Haus Braunfels nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie


Vor dem Haus nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie

Bergung von Hausrat in der Paradiesgasse in Sachsenhausen nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie


Zehntausende werden obdachlos. Geretteter Hausrat und Möbel stehen tagelang auf Straßen und Plätzen bis Sammelstellen organisiert sind. Auf den überfüllten Bahnhöfen drängen sich die Menschen mit dem Rest ihrer Habe und ihren Kindern. Die Stadt richtet Sammellager und Verpflegungsstellen in Schulen und Turnhallen ein. Postomnibusse bringen Frauen, Kinder, alte Leute und Gebrechliche in auswärtige Orte. Fliegergeschädigte erhalten Ausweise, die zum Essensempfang an einer der Feldküchen berechtigten.

Am Wasserweg in Sachsenhausen nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie

Ausgabe von Verpflegung nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie


Der Kreisleiter der NSDAP erlässt am 9. Oktober einen Aufruf an die Bevölkerung, Obdachlose in ihrer Wohnung aufzunehmen.
Zum ersten Mal erlebten Luftschutz und Bewohner den Feuersturm, der sich nach Brandbombenabwürfen bilden konnte. Schlossen sich einzelne Brandherde, begünstigt durch starken Wind zusammen, schoss die erhitzte Luft wie in einem Riesenkamin nach oben. Das Ansaugen der erdnahen Luft erzeugte orkanartige Feuerströme, deren Sog die Menschen in die Flammen riss. Der Feuersturm erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 60 m in der Sekunde. Menschen, die in Panik brennende Keller oder Keller, die voll Wasser liefen, weil Bomben das Wassernetz getroffen hatten, verließen, fanden so den Tod. Nach dem Angriff vom 4. Oktober werden Hinweisschilder mit der Aufschrift „Fluchtweg“ aufgestellt. Die Hausgemeinschaften werden angehalten, Gartenmauern und Zäune zu öffnen.

Aufräumarbeiten in der Mainluststraße nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie

Zeil, Ecke Hasengasse nach dem 4. Oktober 1943, zeitgenössische Fotografie


Mit der Identifizierung von Toten ist die Kriminalpolizei betraut. Das für das Bestattungswesen zuständige Bauamt schlägt vor, bei über 2.000 Toten nur halbe Särge zu verwenden, weil sie besser stapelbar seien und die Transportfahrzeuge besser ausgenutzt werden könnten.
Viele verlassen aus Sorge um einen neuen Angriff die Stadt und übernachten in der Umgebung oder unter freiem Himmel im Stadtwald. Die NSDAP geißelt das Verhalten als „feige“ und „würdelos“. Mit dem Großangriff vom 4. Oktober ist die Heimat „Front“, „Heimatfront“. „Wir alle“, erklärt die Partei, „haben den Platz, auf dem wir stehen, wo wir arbeiten und wo wir wohnen, zu verteidigen - bis zum Letzten“.

Tondokument

Erinnerungen von Karl Köhler (*1911), Werkzeugmacher in einer Firma in der Borsigallee, an den Luftangriff am 4. Oktober 1943; © Historisches Museum

Zusätzliche Stichwörter
Ereignisse:  Nachtangriff mit 400-500 Bombern auf Frankfurt am Main;  

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