Die neue Funktion der Frankfurter Messe

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Wie alle Messen im Dritten Reich war auch der Standort Frankfurt seit März 1933 dem neu geschaffenen Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda zugeordnet. Bereits diese Neustrukturierung verweist auf das deutlichste Kennzeichen nationalsozialistischer Messepolitik: die Nutzung der Messen als Propagandamittel.

Blick in die Süddeutsche Möbelmesse 1934, zeitgenössische Fotografie

Blick in die Ausstellung „Die Rhein-Mainische Wirtschaft“ 1935, zeitgenössische Fotografie


Zusätzlich zur herkömmlichen „Messe“ definierte das Propagandaministerium auch den Veranstaltungstypus der „Ausstellung“. „Messen“ dienten der Vorstellung und dem Absatz von Waren. Ihre Träger waren neben der „Messe- und Ausstellungs-G.m.b.H.“ entweder Fachverbände oder Wirtschaftsorganisationen. „Ausstellungen“ hingegen hatten den Zweck, über Informationen zu den gezeigten Waren hinaus die ideologischen Ziele des Nationalsozialismus zu vermitteln. Diese Veranstaltungen, darunter auch die so genannten „Braunen Messen“, führten NS-Organisationen durch.

Blick in die „Rhein-Mainische Braune Messe“ 1934, zeitgenössische Fotografie


Die Zentralisierung der Messeverwaltung stellt ein zweites Merkmal nationalsozialistischer Messepolitik dar. Hierfür wurde im September 1933 der „Werberat der deutschen Wirtschaft“ mit Sitz in Berlin gegründet. Dem Propagandaministerium untergeordnet genehmigte und kontrollierte er alle Veranstaltungen. Nur vier Städten, darunter Frankfurt, erteilte der Werberat 1934 die erforderliche Erlaubnis für die Durchführung von Messen und Ausstellungen. Doch schon 1937 verlor Frankfurt den Status als offizielle Messestadt wieder und durfte lediglich Ausstellungen zeigen. Auch dieser Status währte nicht lange: Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde die Festhalle 1939 als Lagerhalle verwendet. Bereits zuvor hatten die Nationalsozialisten das Gelände vielfältig genutzt: Die NSDAP hielt dort z. B. 1936 ihren Gauparteitag ab; im November 1938 sammelten sie die während des Novemberpogroms festgenommenen Frankfurter Juden in der Festhalle und deportierten sie von dort aus.


Literatur
  • Andreas Hansert, Die Frankfurter Messe im Nationalsozialismus, in: Brücke zwischen den Völkern - Zur Geschichte der Frankfurter Messe, Rainer Koch (Hg.), Frankfurt 1991, Bd. II, S. 402-410

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