Die Einrichtung des Frankfurter Modeamtes

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Um Frankfurt nationalsozialistische Bedeutung zu verleihen, plante Oberbürgermeister Friedrich Krebs bereits kurz nach seinem Amtsantritt am 13. März 1933 die Einrichtung eines städtischen Modeamtes. Die Stadt war den neuen Machthabern als jüdische und als demokratische Hochburg verhasst. Mit dem einzigen Modeamt des NS-Staates kam Frankfurt als „Stadt der deutschen Mode“ eine neue, erwünschte Bedeutung zu.
Krebs konnte bei seinen Plänen auf Überlegungen aus den 1920er Jahren zurückgreifen. Damals war an der renommierten Städelschule eine Modefachklasse eingerichtet worden. Leiterin der Klasse war Margarethe Klimt, eine Koryphäe auf ihrem Gebiet.

Margarethe Klimt bei der Eröffnungsmodenschau im neuen Haus des Frankfurter Modeamtes am 19. November 1938, zeitgenössische Fotografie


Klimt wurde von zahlreichen Hochschulen umworben. Um sie in Frankfurt zu halten, ernannte Krebs sie - zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Dozentin - zur Leiterin des neuen Amtes. Die Eröffnung des Modeamtes erfolgte im Frühjahr 1934. Sein Auftrag lag darin, eine spezifisch deutsche Mode aus in Deutschland hergestellten Stoffen zu kreieren. Diese sollte von der französischen Mode unabhängig und dennoch international konkurrenzfähig sein und sich zudem zum Export eignen.
Das Modeamt eignete sich besonders gut zu Propagandazwecken: Den deutschen Frauen sollte es erwünschte Kleidung vorbildhaft anbieten; im Ausland ließ sich mit seinen Entwürfen zunächst die „schöpferische Leistung“ Deutschlands dokumentieren; später dann - nach dem Angriff auf die Sowjetunion - sollten die Modenschauen „stärker der Verbundenheit der europäischen Länder dem östlichen Gegner gegenüber gewidmet sein“.
Die Frankfurter Entwürfe nahmen das propagierte Weiblichkeitsideal der Nationalsozialisten auf. Sie betonten die weiblichen Rundungen und rückten damit von der wenig körperbetonten, androgynen Frauenkleidung der 1920er Jahre ab.

Entwurf des Frankfurter Modeamtes: Arbeitsanzug für die Rüstungsindustrie, 1939, zeitgenössische Fotografie

Entwurf des Frankfurter Modeamtes: Rückenfreies Abendkleid, 1941, zeitgenössische Fotografie


Ausgestattet mit großer Gestaltungsfreiheit entwarf das Modeamt v. a. Abend-, Sport- und Tageskleidung sowie Accessoires und orientierte sich dabei an der internationalen Mode. Der inhaltliche Schwerpunkt des Amtes lag dabei nicht auf Konfektionsware für die durchschnittliche deutsche Frau, sondern vielmehr bei eleganter „Hochmode“. Modenschauen und Ausstellungen u. a. in Berlin, London, Florenz und Wien veröffentlichten die anspruchsvollen Entwürfe des Frankfurter Modeamtes. Die Entwürfe riefen auch Kritik hervor: So forderte der Oberbürgermeister einen stärkeren Bezug zu den „praktischen Bedürfnissen“ der Frauen.

Entwurf des Frankfurter Modeamtes: Tageskleid, um 1941, zeitgenössische Fotografie

Entwurf des Frankfurter Modeamtes: Strohkappe mit Stoffblüte, um 1940, zeitgenössische Fotografie


Obwohl sich die Entwürfe des Modeamtes nicht an der durchschnittlichen Frau orientierten, unterstützten sie doch das propagierte Frauenbild. In Begleittexten zu den Modellen heißt es 1939: „(...) Wiederum sind wir diesmal zu Zeugen der geistigen Geburt des weiblichen Körpers der Frau bestellt. Der vollen und gefüllten Form, die uns im Weiblichen zugleich das Mütterliche und die Geborgenheit weist. (...) Keine Zeit als gerade die unsere wird dafür besseres Verständnis aufbringen. (...)“
Trotz des kriegsbedingten Mangels an Stoffen konnte das Amt mit Stoffen aus Beutegut noch bis 1943 weiterarbeiten. Die Schließung des Modeamtes erfolgte im August 1944.


Literatur
  • Ausst. Kat. Frankfurt Macht Mode 1933-1945, Almut Junker (Hg.), Frankfurt 1999

Zusätzliche Stichwörter
Institutionen/Orte/Begriffe:  Modeamt (1933-1938);   Modeamt (1938-1944);  

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