Die Zerstörung der Synagoge Friedberger Anlage

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Außenansicht der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, Friedberger Anlage, Fotografie 1907

Innenansicht der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, Friedberger Anlage, Fotografie 1907


Das in den Morgenstunden des 10. November 1938 in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft gelegte Feuer richtet nur begrenzten Schaden an. In den nächsten Tagen werden viermal neue Brände gelegt. Die „fachgerechte“ Verteilung von mit Benzin gefüllten Fässern sorgt schließlich für die vollständige Vernichtung der Inneneinrichtung. Die Brandtemperaturen destabilisieren die Statik der Synagoge soweit, dass die Einsturzgefahr als gegeben erscheinen kann. Am 11. November wird der Tresor mit den Kultgegenständen aufgeschweißt und ausgeraubt. Die Feuerwehr rückte bei jedem Brand aus und brachte die Ausrüstung in Stellung, allein an der Synagoge Friedberger Anlage am 10. und 11. November 15 Rohre. Laut Einsatzbefehl war nur das Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Häuser zu verhindern. So gehörte zum Synagogenbrand die Anwesenheit der Feuerwehr, sozusagen „Gewehr bei Fuß“. Sie tat aber genau das, wozu sie auch ihrem eigenen Selbstverständnis nach da war, nicht.

Die zerstörte Synagoge im Winter 1938/39. Deutlich zu erkennen sind das fehlende Dach und die zerstörte Rosette. Die Zugänge sind mit einem Bretterzaun versperrt.


Der Gemeindevorstand erstattet Anzeige wegen Brandstiftung, die Polizei ermittelt gegen Juden als Brandstifter. Am 21. November teilt der Leiter des städtischen Hochbauamtes mit, dass er mit dem Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft „erfolgreich“ über die zu ergreifenden Maßnahmen verhandelt habe. Die Kosten des Abbruchs hat die Gemeinde zu übernehmen. Um ihn in jeder Hinsicht zu beschleunigen, verfügt der Oberbürgermeister, dass eine zunächst vorschussweise Verrechnung seitens der Stadtkasse möglich ist. Er lässt sich laufend über den Fortgang der Abbrucharbeiten berichten. Am 20. Dezember wird mitgeteilt, dass die Verwendung eisenarmierten Betons beim Synagogenbau gewisse Schwierigkeiten bereite. Am 12. Juni 1939 sind nur noch restliche Baustoffe abzufahren. Beim Abschluss des seitens der Stadtverwaltung als Judenverträge bezeichneten Vertrags über den Ankauf von 25 Liegenschaften aus jüdischem Gemeindebesitz am 3. April 1939 sind die Abbrucharbeiten noch nicht beendet. Das Gelände der Synagoge an der Friedberger Anlage, 3.138 m², geht für 62.760,- RM (20 RM je m²) in den Besitz der Stadt über. Der von der Stadtverwaltung festgelegte Wert liegt deutlich unter den Abbruchkosten in Höhe von 86.000,- RM.

Zusätzliche Stichwörter
Ereignisse:  Novemberpogrom;  

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