Hans Lehmann über das „Andere Deutschland“ und das „Deutschland-Hilfswerk“ 1945 in Argentinien

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Mit Kriegsende hätte „Das Andere Deutschland“ an sich seine Arbeit einstellen können. Aber nun erwuchs ihm eine neue Aufgabe: den im größten Elend in Deutschland Lebenden, vor allem denjenigen, die gegen den Nazismus gekämpft hatten, zu helfen. Dazu hieß es in der Zeitschrift „Das Andere Deutschland“: Es gelte, „diejenigen wenigstens am Leben zu erhalten, die allein imstande sein könnten, Deutschland aus dem Elend herauszuführen und den Aufbau eines demokratischen und friedlichen Deutschland vorzubereiten: die antifaschistischen Kämpfer, die Überlebenden der Konzentrationslager, die aktiven Mitarbeiter aus der Arbeiterbewegung. Darüber hinaus gilt es, die Hinterbliebenen derer zu unterstützen, die im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben gelassen haben.“ Zu diesem Zweck gründete „Das Andere Deutschland“ das „Deutschland–Hilfswerk“. Durch die verschiedensten Veranstaltungen und Sammlungen brachte es die Gelder zusammen für größere Sendungen von Lebensmitteln und Decken, die es durch das schweizerische Arbeiterhilfswerk „Colis Suisse“ verteilen ließ. Außerdem vermittelte es individuelle Lebensmittelsendungen an bestimmte Personen. Für diese Vermittlung erhob es eine Gebühr, die mit zur Finanzierung der nichtpersonengebundenen Sendungen diente. Am 1. Dezember 1947 konnte „Das Andere Deutschland“ melden, daß durch seine Arbeit in Argentinien, Uruguay, Paraguay, Brasilien, Chile und Bolivien 91.728 von ihm auf den Weg gebrachte Pakete als angekommen bestätigt worden waren. So hat „Das Andere Deutschland“, gerade auch dank der Hilfe seiner jüngeren Freunde, einen nicht unerheblichen Beitrag sowohl für die Stärkung des Widerstandes gegen den Nazismus als auch zur Grundlegung des Aufbaus eines neuen Deutschland leisten können.

Aus: Die Junge Garde, Arbeiterjugendbewegung in Frankfurt am Main 1904–1945, S. 290

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