Die Synagoge in Höchst

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Synagoge Höchst: Lageplan, 1905

Seit dem 18. Jahrhundert sind regelmäßig jüdische Einwohner in Höchst belegt, die ihren Gottesdienst zunächst in Privathäusern abhielten und ihre Toten in Niederhofheim und ab 1873 in Bad Soden beisetzen. Von 1806 bis 1816 war besaß die Gemeinde eine provisorische Synagoge in einem Stadtturm. Nach dessen Abbruch errichtete sie aus dessen eine kleine Synagoge in der Bachgasse. Im Jahr 1904 entschloss sich die von der Personenzahl (1905 lebten 148 Juden in Höchst) her gewachsene zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden gehörende Gemeinde 1904 zum Neubau einer Synagoge am Westende des heutigen Höchster Marktplatzes und zugleich zum Abbruch der bisherigen sehr kleinen Synagoge, an deren Stelle der Neubau errichtet wurde. Die dazu angelegte Akte der Baupolizei (heute Bauaufsicht) begleitet den Bau vom Bauantrag des Gemeindevorsitzenden Max Ettinghausen vom 31. Januar 1905 an die Stadt Höchst a. M. bis zur Vollzugsmeldung über den Abbruch am 28. April 1939.

Synagoge Höchst: Skizze Seitenfront, 1905


Architekt des bescheidenen schiefergedeckten Backsteinbaues mit Fenster- und Türumrahmungen, Giebelabdeckung und ähnlichem aus Sandstein mit einer Emporenkonstruktion aus Eisen und einer Treppe aus Eisenbeton war S. Münchhausen aus Köln, der bereits mit anderen Synagogenbauten einschlägige Erfahrungen vorweisen konnte. Die Fassade mit zwei Ecktürmchen zeigte nach Osten auf den Höchster Marktplatz. Im rückwärtigen Teil wurden eine vom Grundwasser des Liederbaches gespeiste Mikwe mit einem Bassin und einem Raum für den Vorbeter errichtet. Die Synagoge bot 84 Sitzplätze für Männer und 54 Sitzplätze für Frauen auf der Empore. Am 14. Dezember 1905 wurde die Synagoge feierlich eingeweiht.


Die ausgebrannte Synagoge, im Auftrag des Historischen Museums nach dem 10.11.1938 aufgenommen

Höchster Markt mit Synagoge, 20er Jahre


Am frühen Morgen des 10. November 1939 zündeten SA-Leute aus Höchst die Synagoge an, die nach einer abermaligen Brandstiftung durch Höchster Einwohner am Mittag desselben Tages vollständig ausbrannte. Die ausgebrannte Ruine wurde im Frühjahr 1939 mit einem Bauzaun umgeben und von einer Frankfurter Firma abgebrochen. An ihre Stelle trat der jetzt noch stehende Luftschutzbunker, an dem eine Gedenktafel an die Synagoge erinnert. Nach den Plänen in der Baupolizeiakte entstand ein Modell, das im Museum für Höchster Geschichte im Höchster Schloss steht, in dem ein eigener Raum zur Erinnerung an jüdisches Leben in Höchst eingerichtet worden ist.


Literatur und Quellen
  • Waltraud Beck, Josef Fenzl und Helga Krohn, Die vergessenen Nachbarn. Juden in Frankfurter Vororten. Juden in Höchst, hrsg. v. Jüdischen Museum, Frankfurt 1990.
  • Institut für Stadtgeschichte, Höchst, 927, fol. 28, Plan der Ecke Bachgasse/Brand 1877, mit Einzeichnung der Synagoge.
  • Institut für Stadtgeschichte, Höchst, 1.070, Baupolizeiakte 1905-1939, mit Plänen.

Zusätzliche Stichwörter
Ereignisse:  Novemberpogrom;  
Institutionen/Orte/Begriffe:  Synagoge Höchst;   Reichskristallnacht;  

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    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 09.02.2005, aktualisiert am: 07.11.2005