Tabellarische Übersicht der sonstigen Lager für Fremd- und Zwangsarbeiter

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In nahezu 300 Firmen und Betriebsstätten waren Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt. Als Unterkünfte dienten eingezäunte und bewachte Barackenlager auf dem Firmengelände, Brachen und Sportplätzen, ungenutzte firmeneigene oder angemietete Lager und Werksräume. Kleinere Betriebe nutzten für ihre oft nur eine ausländische Arbeitskraft so genannte „Splittergruppenlager“, die unter Federführung einer beteiligten Firma betrieben wurden.
Mit der Ausweitung des Fremdarbeitereinsatzes aber auch durch die zunehmende Zerstörung von Unterkünften durch Fliegerangriffe, wuchs der Raumbedarf, so dass jede nur erdenkliche Möglichkeit für die Unterbringung genutzt werden musste: Schulen, Turnhallen, Gaststätten usw. Aber auch die Liegenschaften, deren vormalige jüdische Besitzer ausgewandert oder deportiert worden waren, wurden zur Unterbringung der Fremd- und Zwangsarbeiter verwendet. Diese Häuser und Grundstücke, zerstörte Synagogen, Schulen, Heime und andere Sozialeinrichtungen, waren oft in den Besitz der Stadt Frankfurt am Main oder die Verfügungsgewalt des Reichsfiskus übergegangen.
Auch wenn alle in der nachfolgenden Tabelle angeführten Lager durch Quellen belegt sind, sind die Nutzung und die Verantwortung der Lagerführung durch Firmen, Betriebe, NS-Institutionen oder Behörden nicht klar. Die meisten Lager sind vermutlich 1943 oder 1944 errichtet worden und haben oft nur für eine kurze Zeit bestanden.

AdresseArt und Belegung
Ackermannstraße 35 - 37
(Ackermannschule)
Kriegsgefangenenlager
Ackermannstraße 39 - 41
(Brüder-Grimm-Schule)
1. und 2. Kompanie des Kriegsgefangenen Bau- und Arbeitsbataillons 42
Albusstraße 251943/44 Gemeinschaftslager für ca. 30 Personen.
Die Unterkunft wurde bei einem Fliegerangriff zerstört.
Albusstraße 521943/44 Gemeinschaftslager für ca. 150 Personen.
Die Unterkunft wurde bei einem Fliegerangriff zerstört.
Allerheiligenstraße 101943/44 Unterkunft für 100 Personen.
Die Unterkunft wurde bei einem Fliegerangriff zerstört.
Allerheiligenstraße 83
(Arkadia Gaststätten)
1943/44 Gemeinschaftslager für 200 Personen.
Die Unterkunft wurde bei einem Fliegerangriff zerstört.
Alt Schwanheim 44
(Gaststätte Theodor Huth)
Unterkunft für landwirtschaftliche Arbeiter
Alt Schwanheim 8
(Gaststätte Jakob Heisack)
Unterkunft für 18 Franzosen in einem Wirtshaussaal
Antoniterstraße 33
(Ecke Dalbergstraße, Turnhalle der Turngemeinde Höchst)
keine näheren Angaben bekannt
Assenheimer Straße 15
(Hofgut)
Das 11. Polizeirevier meldete 1946 an die UNRRA 17 Russen, 3 Polen und 5 Litauer die 1943/45 hier untergebracht waren.
Baumertstraße 30
(Gastätte „Kaiser Friedrich“)
(vgl. Firmen Dechert & Co. und Naxos Union)
Kriegsgefangenenlager für französische und sowjetische Kriegs-gefangene
keine näheren Angaben bekannt
Berger Straße 133
(Gaststätte A. Klein)
Zivilarbeiterlager für Italiener
keine näheren Angaben bekannt
(Das Gebäude gehörte der Kath. St. Josephs-Gemeinde)
Berger Straße 96
(Gambrinus-Keller)
Vermutlich das erste Fremdarbeiterlager in Frankfurt am Main.
Seit dem 17. Juli 1940 waren hier im Frankfurter Kohlenhandel beschäftigte französische Kriegsgefangene untergebracht.
(vgl. Firma Wetzel & Staub)
Berger Straße 253
(Gaststätte Max Großklaus)
1943 - 1945 Lager für Westarbeiter
Berger Straße 275 - 27
(Gaststätte Leopold Herz)
Das Haus wurde von auffallend vielen Schweizern bewohnt. Hier gemeldet waren auch Polen, Ungarn und „Staa-tenlose“
Bleidenstraße 2 - 4
(„Tega Haus“)
1940 bis 1945 Zivilarbeiterlager für 566 Personen.
Das 4. Polizei-Revier meldete an die UNRRA 50 Belgier und 516 Franzosen
Bolongarostraße 174
(Café K. Gärtner)
Unterkunft für 15 Russen, im Mai 1945 noch belegt.
Bonames
(Turnhalle)
Lager 775
Das 12. Polizei-Revier meldete an die UNRRA ca. 10 Personen aus der Sowjetunion, die hier zwischen 1942 und 1944 untergebracht waren.
Bremer Straße 25
(Holzhausenschule)
1944/45 Lager für ca. 200 Perso-nen
keine näheren Angaben bekannt
Eiserne Hand 4
(ehemaliges Reform-Pro-Gymnasium - Selektenschule)
keine näheren Angaben bekannt
Eschersheimer Landstraße 20„Frauenlager“, vermutlich im Hinter-haus
keine näheren Angaben bekannt
Frankensteiner Platz 1 - 5
(Berufsschule V für Nahrung, Bekleidung und Drogisten)
Kriegsgefangenen Baukompanie
keine näheren Angaben bekannt
Sossenheim/Unterliederbach
Flak Artillerie (genaue Lage unklar)
Baracken, im Mai 1945 noch mit Italienern belegt
keine näheren Angaben bekannt
Gaswerke Griesheim
(genaue Lage unklar)
1 Baracke
1945 noch mit 13 Italienern belegt
keine näheren Angaben bekannt
GeleitstraßeKriegsgefangenenlager Stalag 707
Das 23. Polizei-Revier meldete an die UNRRA 336 Russen.
Gelnhäuser Gassevermutlich Nr. 17
Infrage käme noch eine Reihe von Häusern, in denen sich Gaststätten befanden: Nr. 1, 2, 4, 5, 8 und 22. Außerdem besaß die Stadt Frankfurt am Main in dieser Straße eine Reihe von Häusern, darunter die Nr. 19, die im Adressbuch 1942 als unbewohnt eingetragen ist.
Diesterwegschule
Am Mühlgarten 3-5/Ginnheimer Hohl
keine näheren Angaben bekannt
Glauburgschule/Glauburgplatz
Lenaustraße 64-70
Glaser Bataillon XII (Kriegsgefangene)
keine näheren Angaben bekannt
Goldsteinstraße
(Gaststätte Goldsteinpark, Tränkweg)
Das 21. Polizei-Revier meldete an die UNRRA 35 Franzosen und 5 Belgier.
Gotenstraße 25Unterkunft für 25 Personen in einer Garage.
keine näheren Angaben bekannt
Gutleutstraße 112
(Gutleutkaserne)
Unterkunft für russische Familien
keine näheren Angaben bekannt
Hölderlinstraße 6 - 8
(Hölderlinschule)
Lager für Italiener und Franzosen
keine näheren Angaben bekannt
Homburger Landstraße 641
(Gasthaus „Zur Goldenen Gerste“)
Lager für ca. 170 Personen
keine näheren Angaben bekannt
Homburger Landstraße 642
(Gaststätte Karl Westerfeld)
keine näheren Angaben bekannt
Im Ziegelfeld 2
(Gaststätte „Zum Römer“)
Lager mit 40 Betten in einem Tanzsaal. Im Mai 1945 noch mit 19 Russen und 4 Franzosen belegt.
keine näheren Angaben bekannt
Kelsterbacher Straße 14
(„Bamberger Hof“)
Lt. der Meldung des 21. Polizei-Reviers an die UNRRA waren hier französische Kriegsgefangene untergebracht.
Kelsterbacher Weg
(am westlichen Ende von Schwanheim)
keine näheren Angaben bekannt
Kleiststraße 12
(Nordendschule)
2. Kompanie des Bau- und Arbeitsbataillons 47 (vermutlich Kriegsgefangene) keine näheren Angaben bekannt
Kostheimer Straße 11-13
(Monika-Heim der Schwestern vom Heiligen Geist/Kath. Fürsorgeverein)
vermutlich 1 Belgierin und 1 Niederländerin
Kronberger Straße 43
(ehemaliges Lyzeum Steimer)
Das 9. Polizeirevier meldete 1946 an die UNRRA etwa 200 Italiener, Belgier und Niederländer.
Kuhpfadschneise
(Stadtwald)
Lager „Saar-Allee“
Das Barackenlager war im Mai 1945 noch mit Russen belegt.
Langestraße 25
(früher: Hans-Handwerk-Straße)
Auf dem Gründstück befanden sich mehrere Betriebe (darunter die XOX-Biskuitfabrik), die einen Arbeitseinsatz im größeren Umfang wahrscheinlich machen.
Lt. Meldung des 1. Polizei-Reviers von 1941-1945 Gemeinschaftslager für 300 Personen.
Leipziger Str. 811942: Unterkunft für ausländische Arbeiterinnen
Leunastraße 22
(Evangelisches Vereinshaus, Gaststätte)
Unterkunft für 38 Polen, im Mai 1945 noch belegt.
Liederbacher Straße 95
(Gaststätte H. Kleber/Hans Gleim)
keine näheren Angaben bekannt
Löwengasse 30
(Berufsschule VIII,Hauswirtschaft und Hilfsgewerbe, heute Elly-Heuss-Knapp-Schule)
Oktober 1944 - März 1945: Kriegsgefangenenlager (Baubataillon 12 - Glaser)
Mainberg 3
(Gaststätte „Zur deutschen Eiche“)
Lt. Meldung des 17. Polizei-Reviers an die UNRRA: Gemeinschaftslager für Frauen verschiedener Nationen
Mainzer Landstraße
Hausnummern: 145, 218, 251, 326, 328, 330, und 374
Diese Lager im Bereich des 20. Polizeireviers waren jeweils zwischen 30 und 60 Personen unterschiedlicher Nationen belegt. Zum Teil handelt es sich um frühere Firmenlager von vermutlich stillgelegten Betrieben.
Martin-Luther-Straße 44
(Bornheimer Mittelschule)
Lager für ca. 250 Italiener (Kriegsgefangene)
Martinskirchstraße 70
(Gaststätte Ferdinand Colloseus )
keine näheren Angaben bekannt
Maybachstraße 24
(Gaststätte G.Müller)
keine näheren Angaben bekannt
Melchiorstraße 16
(Gaststätte „Dorfschenke“)
Das 17. Polizei-Revier meldete 1946 an die UNRRA ein „Arbeitslager von gemischten Nationen“
Motzstraße 22
(Keglerheim Riederwald)
Das 6. Polizei-Revier meldete 1946 an die UNRRA die Unterbringung von 80 Tschechen, Russen und Griechen.
Mousonstraße 40
(Wohnhaus)
Nach dem Bericht des 6. Polizei-Reviers waren hier von Jan. bis März 1945 60 Franzosen untergebracht.
Rechneigrabenstraße 3 - 5Zwischen 1942 und 1944 Gemeinschaftslager für 80 Personen. Das
Lager wurde durch einen Fliegerangriff zerstört.
Rödelheim
(Lager „Schützenhof“ im Biegwald)
1943/44 1 frz. Ehepaar
Möglicherweise ist der „Schützenhof“ identisch mit dem Lager der VDO im „Forsthaus Biegwald“
Röderbergweg 104 - 114Zivilarbeiterlager auf dem Gelände einer Getränkegroßhandlung. Untergebracht waren hier Franzosen, Belgier, 1 Niederländer
Röderbergweg 254Vermutlich ein Barackenlager für polnische und russische Zivilarbeiter. Im Adressbuch von 1942 existiert diese Hausnummer nicht.
Schwanheimer Straße 23
Salzmannschule
Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 763 und Eisenbahnlager
Schwanheimer Straße
(Kläranlage, heute: Schwanheimer Ufer)
1 Holzbaracke, für ca. 85 Personen, im Mai 1945 mit „Russen“ belegt.
Stalburgstraße 6Zivilarbeiterlager; seit 19. Februar 1945 bis zur Auflösung: 2 Russen, 7 Polen
Theobald-Christ-Straße 5 Ehemaliges Gebäude der Israelitischen Suppenanstalt.
Lager für Italiener
Unterlindau 21 u. 23Gelände der früheren Synagoge und der Verwaltung der Israelitischen Religionsschule.
1943 - 1945 Ostarbeiterlage in Steinbaracken für ca. 200 Personen
Vilbeler Straße 11
(Café „Germania“)
1942 - 1944 Gemeinschaftslager für 40 Personen
Vilbeler Straße 24
(Gaststätte Eugen Müller)
1940 - 1944 Gemeinschaftslager für 160 Personen
Das Lager wurde durch einen Fliegerangriff zerstört
Wenzelweg 21
(Gaststätte Sportverein Germania 1895 e.V.)
keine weiteren Angaben bekannt
Wilhelmshöher Straße 283Vom 4. Juli 1942 bis 24. März 1945 bestand hier ein Lager für 21 Franzosen, die in unterschiedlichen Firmen eingesetzt waren.
Woogstraße 1
(Gasthaus „Zum Löwen“)
1942 - 1945: 75 Frauen
Zeil 19 1943/44: Lager für 60 Franzosen
Das Lager wurde durch einen Fliegerangriff zerstört

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    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 09.09.2003, aktualisiert am: 10.04.2008