Ausgrenzung von Juden aus dem öffentlichen und gesellschaftlichen Leben 1933–1938 (tabellarische Übersicht)

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Tabellarische Übersicht über die Ausgrenzung von Juden aus dem öffentlichen und gesellschaftlichen Leben von 1933 bis zum Novemberpogrom von 1938:

1933, 28. MärzDer kommissarisch beauftragte neue Oberbürgermeister Friedrich Krebs erließ (ohne gesetzliche Grundlage) eine Verfügung über die „Entlassung bzw. Beurlaubung von städtischen Beamten und Angestellten jüdischen Bekenntnisses“. Diese Maßnahme wurde als „Abwehrmaßnahme gegen die im Ausland betriebene Greuelpropaganda“ begründet. Geschäftsbeziehungen zu jüdischen Firmen wurden aufgehoben und keine neuen eingegangen (siehe unten unter Dokumente zu diesem Artikel). Einige der Entlassungen mussten nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April wieder rückgängig gemacht werden.
1933, 1. AprilBoykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen, Anwaltskanzleien
1933, 7. AprilGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit dem „Arierparagraphen“: Ausgenommen sind Beamte, die seit 1914 im Dienst waren, Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs, Söhne oder Väter von Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Sinngemäße Anwendung auf Angestellte und Arbeiter; desgleichen auf Notare und Rechtsanwälte
1933, 22. AprilBerufsverbot für Patentanwälte, Entzug der Krankenkassenzulassung für jüdische Ärzte
1933, 25. AprilNumerus clausus für jüdische Schüler und Studenten; Entlassung von jüdischen Schöffen und Handelsrichtern (Neuwahlen)
1933, AprilDer „Arierparagraph“ wird in den Turn- und Sportvereinen umgesetzt
1933, AprilVerbot des rituellen Schächtens
1933, 6. MaiJüdische Steuerberater dürfen sich nicht mehr neu niederlassen
1933, 10. MaiBücherverbrennung vor dem Römer, die vor allem als Aktion gegen „jüdische“ Literatur wirken sollte
1933, 2. JuniAusschluss jüdischer Zahnärzte und Zahntechniker aus den Krankenkassen
1933, 22. SeptemberErrichtung der Reichskulturkammer mit Ausschluss der Juden aus dem Kulturbereich, Beginn der Berufsverbote
1933, DezemberWiederholung des Boykotts vom April
1934, MärzGründung eines Straßenbenennungsausschusses, der jüdische Straßennamen auflisten und Änderungsvorschläge machen sollte
1935, Mai und JuniAusschluss von Juden vom aktiven Wehrdienst
1935, 15. SeptemberNürnberger Gesetze: „Reichsbürgergesetz“ (Juden werden zu Bürgern 2. Klasse); „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ (Nürnberger Rassegesetze: Verbot der Ehe zwischen Juden und Nichtjuden; strafrechtliche Verfolgung von Sexualkontakten zwischen Juden und „Ariern“)
1935, NovemberAberkennung des Wahlrechts von Juden; Aufhebung der Frontkämpferklausel für den öffentlichen Dienst; weitere Berufsverbote
1936, MaiAusschluss von Juden aus den öffentlichen Schwimmbädern; Beschränkung auf das Strandbad Niederrad als „Judenbad“ bis November 1938
1938, AprilPflicht für Juden, ihr Vermögen anzumelden, Forcierung der „Arisierung der deutschen Wirtschaft“ (vorher nur individuelle Ausnutzung von Notlagen wegen Auswanderung usw.)
1938, JuniKennzeichnungszwang für jüdische Gewerbebetriebe
1938, AugustZwangsbenennung der Juden (Israel und Sara als zusätzliche Vornamen); Kennzeichnung ihrer Kennkarten und Reisepässe mit Aufdruck „J“


Literatur
  • Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933–1945, hg. von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden, Frankfurt am Main 1963, S. 55ff.
  • Rachel Heuberger/Helga Krohn, Hinaus aus dem Ghetto …, Juden in Frankfurt am Main 1800–1950, Frankfurt am Main 1988, S. 171–177.

Dokumente zu diesem Beitrag:

  • Verfügung des Oberbürgermeisters über den Ausschluss von Beamten und Angestellten jüdischen Bekenntnisses
  • Weitere Beiträge zu verwandten Themen
  • Ernst Karpf, Jüdisches Museum  

    Impressum © Stadt Frankfurt am Main. Text erstellt 2003, aktualisiert am: 30.09.2003